Titelkämpfe: Was Dänemark zum guten Gastgeber macht

Dänemark erhält bei fast allen Bewerbungen für die Austragung sportlicher Großereignisse den Zuschlag. Woran das liegt.


Jahrelang wuchs die Baustelle im Niemandsland von Ørestad im Süden der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Hier, am Ende der Metrolinie, wo immer eine steife Brise weht, zwischen Bürogebäuden, einem riesigen Einkaufszentrum und Wohnblöcken, entstand die Royal Arena, die neben Konzerten wie denen von Metallica auch sportliche Großereignisse beheimatet. Am 13. Dezember sprangen zum Beispiel die ersten Schwimmer bei der Kurzbahn-EM in das eigens aufgestellte Wettkampfbecken. Auf dem Weg zur Mixed Zone zeigen lebensgroße Aufsteller, dass Dänemark Sport kann: Die Plakate erinnern an die WM im Rennradfahren 2011 oder die WM im Frauenhandball 2015. Im Mai steht dann der große Test für die Arena und die Sportveranstalter an: Die WM im Eishockey bespielt die Hallen in Kopenhagen und Herning. Irgendetwas scheinen die Dänen richtig zu machen, wenn es um Sportevents geht.


In der Schlittschuhhalle nebenan sitzt der Mann, der all das mit möglich gemacht hat: Lars Lundov ist Direktor von Sport Event Danmark, einer selbstständigen Gesellschaft unter öffentlicher Aufsicht. Lundov nimmt sich einen Zettel und malt das Eventdreieck auf: Auf der einen Seite stehen die Sportverbände, die eine Meisterschaft ausrichten wollen, in der nächsten Ecke die Kommunen, die Gastgeber sind. Das Dreieck komplett macht Sport Event Danmark: Seit zehn Jahren ist die Institution ausschließlich dazu da, gemeinsam mit den Sportverbänden Bewerbungen zu schreiben, mit den Kommunen die Infrastruktur zu sichern und am Ende von jahrelangen Prozessen die Schwimmer ins Wasser und die Eishockeyspieler aufs Eis zu schicken.



Vier von fünf sind erfolgreich

Finanziert wird das Organ aus Lotto- und Sportwetteneinnahmen, beaufsichtigt vom Kulturministerium. Mit insgesamt 45 Millionen Kronen (circa 6,5 Millionen Euro) kann Lars Lundov zum Beispiel Infrastruktur wie die Royal Arena unterstützen; den Löwenanteil von 35 Millionen Kronen (circa 5 Millionen Euro) verwendet er allerdings auf Personal und Reiseausgaben für Bewerbungen und Durchführung von Wettkämpfen – darin sind die Sportveranstalter mittlerweile Profis. "Wir sind mittlerweile gut darin geworden, Bewerbungen zu schreiben", sagt Lundov stolz.

"Vier aus fünf sind erfolgreich."

Das Eventdreieck baut auf gleichen Einsatz aller drei Parteien: Für die Schwimm-EM etwa trugen die Stadt Kopenhagen, der Dänische Schwimmverband und Sport Event Danmark jeweils sechs Millionen Kronen (cica 850.000 Euro) bei, bei der Eishockey-WM sind es jeweils zehn Millionen (circa 1,5 Millionen Euro). Das finanzielle Risiko etwa bei niedrigen Zuschauerzahlen schultern alle drei Partner. "Ich kann nicht ohne die anderen und die anderen können nicht ohne mich", beschreibt der Vorsitzende des Dänischen Eishockeyverbands, Henrik Bach Nielsen, das Verhältnis.

Wie sich das für die Kommunen lohnt? "Wir stellen jetzt keine Kosten-Nutzen-Rechnung auf", sagt Mads Kamp Hansen, Freizeit- und Kulturdirektor der Stadt Kopenhagen. "Wir wollen zeigen, dass wir eine Metropole sind, dass wir etwas können." Lars Lundov sieht das Eigeninteresse der Gastgeberstädte, die oft nur einige hunderttausend Einwohner haben und deswegen auf Werbung für Tourismus und Einwohner angewiesen sind: "So ein Event bringt eine Stadt auf die Landkarte, die Einwohner bekommen etwas geboten und die lokalen Sportvereine bekommen neuen Zulauf."

Es kann auch mal schiefgehen

Der eigentliche Veranstalter ist in den meisten Fällen aber der Sportverband. Für die Eishockey-WM gründete der Dänische Eishockey-Verband eine eigene Firma. Verbandsvorsitzender Bach Nielsen besucht nun öfter das Projektbüro direkt gegenüber der Royal Arena und schaut auf vier Jahre Vorbereitung zurück. "Der hohe Formalisierungsgrad des Dreiecks ist der Schlüssel zum Erfolg", so seine Erklärung. Die Partner kennen sich, man hat gute Erfahrungen gemacht und Sport Event Danmark kann mit langjähriger Erfahrung die Verbände bei der Bewerbung und Organisation unterstützen.

Das kann aber auch schiefgehen: Im Vorfeld der Triathlon- und Multisport-WM auf der Insel Fyn im Sommer 2018 stellte sich heraus, dass die vier lokalen Vereine nicht in der Lage waren, eine derartige Großveranstaltung zu stemmen. Stattdessen musste ein kommerzieller Triathlon-Veranstalter einspringen und die Organisation übernehmen.

Ein weiterer entscheidender Punkt für Henrik Bach Nielsen: die Freiwilligen. Etwa 1000 haben sich für die Eishockey-WM gemeldet. "Wenn wir all diesen Helfern ein reguläres Gehalt zahlen müssten, ließe sich so ein Event gar nicht erst stemmen", sagt Bach Nielsen. Der dänische Vereinsgeist helfe da sehr.




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