Ex-IWF-Chefökonom vergleicht Kampf gegen Coronakrise mit Krieg

Foto: Zwei junge Männer mit Atemschutzmaske (über dts Nachrichtenagentur)
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San Francisco (dts Nachrichtenagentur) – Der frühere Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), Maurice Obstfeld, vergleicht den Kampf gegen die Coronakrise mit einem Krieg. „Wir müssen unsere Gesellschaften mobilisieren, um das Virus einzudämmen und irgendwann zur Normalität zurückzukommen“, sagte Obstfeld dem „Handelsblatt“. Dies erfordere nationale Restriktionen der Bewegungsfreiheit und national koordinierte Verteilung von Ressourcen, um medizinisches Gerät und Behandlungsmöglichkeiten bereitzustellen.

„Wir dürfen die Krankenpfleger und Ärzte, die Soldaten in diesem Krieg, nicht mit mangelhafter Ausrüstung an die Front schicken“, so der ehemalige IWF-Chefökonom weiter. Der wirtschaftliche Schock übersteige sogar das Ausmaß der Weltfinanzkrise von 2008. „Die jetzige Situation ist viel gefährlicher“, sagte Obstfeld. Auch der Finanzsektor sei in Gefahr: Die Banken seien „in besserer Verfassung als 2008“, aber das heiße nicht, „dass sie unverwundbar sind.“

Der US-Regierung empfiehlt der Ökonom, der inzwischen wieder an der University of California in Berkeley nahe San Francisco lehrt, „Maßnahmen wie das deutsche Kurzarbeitergeld“ zu beschließen, „damit die Menschen ihre Jobs behalten und die Wirtschaft mit möglichst geringen Störungen wieder anspringen kann, sobald die Krise vorbei ist.“ Zugleich warnte Obstfeld davor, die Einschränkungen des öffentlichen Lebens zu schnell wieder zu lockern. „Die Ursache des Problems ist der Erreger. Erst wenn das Virus unter Kontrolle ist, kann die Wirtschaft wieder zu Kräften kommen“, so der Ökonom. Man dürfe dabei „keine halben Sachen“ machen. Trotz der gewaltigen Geldmengen, die Regierungen und Notenbanken in die Wirtschaft pumpen, droht Obstfeld zufolge keine Inflation.

„Ich weiß, dass es in Deutschland kontrovers ist, was ich jetzt sage, aber: Inflation ist das letzte, vor dem wir uns jetzt sorgen sollten“, sagte Obstfeld dem „Handelsblatt“. Man müsse „einen gesellschaftlichen Zusammenbruch abwenden“. Der große Vorteil einer Zentralbank in Krisen wie dieser sei, dass sie Geld drucken und es unter die Leute bringen könne, so der frühere IWF-Chefökonom weiter. Dieses Instrument müsse man nutzen.