Eine Gebrauchsanleitung für Urlaub in Dänemark


 
 
 

Es gibt einiges in Dänemark, das Besucher in Erstaunen versetzt. Während es etwa kein Problem ist, nackt zu baden, geht‘s in die Sauna nur in Badehose. Eine Kennerin des Landes gibt Besuchern Tipps.

Fragen Sie einen Dänen, wie es ihm geht, und er wird Ihnen immer antworten: „Fint.“ Gut! Und er meint es auch wirklich so. Denn der Däne kann aktiv „hyggen“, also „gemütlich“ als Verb verwenden: „Ich gemütliche jetzt mal.“ Und das tut er auch, sagt Maritta Demuth, die vor zehn Jahren in den Norden ausgewanderte Deutsche. Sie lebt mit ihrem dänischen Mann Mikkel und den zwei Kindern Liva und Lasse bei Kopenhagen.

Nun zieht sie eine Zwischenbilanz – und hat eine Liebeserklärung an ihre neue Heimat geschrieben. Der Band „111 Gründe, Dänemark zu lieben“ ist zugleich eine vergnügliche Gebrauchsanleitung für Dänemark-Besucher, wie auch sie etwas gelassener und „hyggeliger“ werden können. Wir haben die Wahl-Dänin nach den besten Tipps für den nächsten Urlaub gefragt.

Die Gelassenheit der Dänen

Der wohl wichtigste Satz heißt: „Det skal nok gå“, gemeint ist damit: „Es wird schon irgendwie gehen“. Maritta Demuth: „Der Däne ist Optimist und nörgelt kaum. Harmonie ist oberstes Gebot, Konflikte gibt es nicht – oder werden unter den Teppich gekehrt. Das Leben ist doch wunderschön. Und wenn mal nicht: ‚Det skal nok gå!‘ Heimlich, still und leise färbt die dänische Gelassenheit auch auf Dänemark-Urlauber ab.“

Das Wetter in Dänemark

Typisch für den dänischen Sommer sind nun mal 19 Grad, Sonne und Wolken, ein steter, aber mäßiger Wind. Was würde der Deutsche darüber sagen? Vermutlich so etwas Miesepetriges wie: „Hoffentlich wird das Wetter morgen etwas wärmer. Es ist doch Juli.“

Und der Däne? Maritta Demuth hört dann meistens Folgendes: „Ist das nicht wieder ein fantastisches Wetter heute? So warm! Und fast windstill. Was haben wir doch für ein Glück mit diesem wunderbaren Sommer. Das haben wir auch verdient! Gott meint es gut mit uns Dänen.“

Übernachten im Freien

Wildes Zelten ist zwar grundsätzlich auch in Dänemark verboten, doch versuchsweise hat die Regierung diese Regelung in 40 öffentlichen Wäldern gelockert. Dieses Jedermannsrecht bedeutet, dass man dort sein Zelt aufschlagen darf. Die Stellen sind mit roten oder weißen Pfeilen gekennzeichnet.

Eine andere Möglichkeit, im Freien zu übernachten, bieten die Naturlagerplätze. Sie eignen sich für Wanderer, Radler, Reiter, Segler. Die 750 Naturlagerplätze liegen oft mitten im Wald, auf Wiesen oder am Wasser. Sie sind entweder gratis oder kosten maximal 30 Kronen pro Übernachtung (etwa vier Euro).

250 von ihnen bieten sogar Schutzhütten, sodass noch nicht einmal das eigene Zelt mitgebracht werden muss. Platz ist meist für vier bis sechs Personen. Fast überall gibt es Feuerstellen und Zugang zu Toiletten sowie Trinkwasser in der Nähe. Oft sind solargewärmte Duschen installiert. Eine Liste gibt es auch auf Deutsch unter friluftsraadet.dk.

Nackt Baden erlaubt

Gut 7314 Kilometer lang ist Dänemarks Küste – und für jedermann kostenlos zugänglich. Maritta Demuth: „Statistisch gesehen verfügt jeder Einzelne über 1,30 Meter Küste – in Deutschland muss sich jeder Einwohner auf circa drei Zentimeter Küste beschränken!“

Eine Kurtaxe, wie sie in Deutschland üblich ist, kennen und wollen die Dänen auch nicht. Fast alle Badestrände sind naturbelassen, Liegestühle oder Strandkörbe werden nur an einigen Stellen verliehen. Was kein Problem ist: Denn die Dänen nehmen gern ihr Auto mit zum Strand, um die vielen Sachen, die man so für einen Badetag braucht, nicht schleppen zu müssen.

Auch was Nacktbaden angeht, ist Dänemark ziemlich liberal. FKK-Strände sind normalerweise nicht extra ausgewiesen – und Nacktbaden an sich ist überall erlaubt, auch wenn die meisten ihre Badehose anlassen. Nur an wenigen, besonders beliebten Stränden gibt es Ausnahmeregelungen: Dort wurden Bereiche für Textilbaden eingerichtet, beispielsweise in Henne Strand und auf Holmsland Klit in West-Jütland.

In die Sauna mit Badehose

Die Einstellung der Dänen zum Saunieren dagegen ist alles andere als entspannt. Man darf zwar ausdrücklich an fast jedem Strand des Landes nackt herumrennen, aber niemals in der Sauna.

Maritta Demuth sagt: „Unbedingt Badekleidung tragen. Außer Sie wollen gern die einzige nackte Person im Raum sein. Große Saunalandschaften sind unbekannt, gemischte Saunen sind selten – und selbst in den nach Geschlechtern getrennten Bereichen sitzen viele mit Badesachen auf den Holzbänken. Aufgüsse und Handtuchwedeln sind eher unbekannt. Maritta Demuth verzichtet inzwischen auf dänische Saunabesuche.

Von Smørrebrød bis Lakritze – dänische Spezialitäten

Hotdog, Softeis und die dick belegte Brotscheibe Smørrebrød kennt jeder. Probieren Sie doch mal die dänische Antwort auf das Croissant: Tebirkes aus gebutterten Blätterteiglagen, bestreut mit Mohn. Auch den Marzipankuchen Kransekage unbedingt probieren!

Im Sommer gibt es in vielen Restaurants und als Hausmannskost Snysk, eine deftige Gemüsesuppe mit dicken grüne Bohnen, Erbsen, Kartoffeln, Kohlrabi und Karotten, Milch und vielen Kräutern. Das eigentliche Mittagessen heißt frokost, während das Abendessen middag genannt wird.

Und als herbsüße Nascherei gibt es überall Lakritz. Sie ist in Dänemark inzwischen so beliebt wie Schokolade. Und das nicht nur als Bonbons, Weingummi-Lakritz-Mix oder Stangen. Nein, es gibt Lakritzeis, Lakritzchips, Lakritzhonig, Lakritzbier, Lakritzsalami – und im Gewürzregal sogar gemahlene Lakritze, die Dänen überall drüberstreuen.

Maritta Demuth kommentiert: „Ich mag nur Lakritze im Regal. Solange ich sie nicht essen muss. Auch nach neun Jahren im Lande hat sich mir das Geheimnis des Lakritzgenusses noch nicht erschlossen.“ Dafür empfiehlt sie als leckeres Souvenir, das Touristen auf jeden Fall probieren sollten: Soft-Ice zum Selbermachen aus dem Supermarkt, in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Gibt es auch mit Lakritz-Aroma.

Die Geheimnisse dänischer Türen

Wer zum ersten Mal vor einem dänischen Ferienhaus steht, scheitert erst einmal an der Tür. Maritta Demuth: „Dänische Türen haben ihr ganz eigenes Geheimnis. Nicht verzagen. Der Schlüssel muss falsch herum, also um 180 Grad gedreht ins Schloss gesteckt werden. Oft gilt: Beim Abschließen die Türklinke nach oben drücken und halten, dabei gleichzeitig den Schlüssel drehen. Tipp: Alle Utensilien, die möglicherweise in den Händen gehalten werden, ablegen. Für dänische Türen brauchen Sie beide Hände.“

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